Zeichne mir ein Schaf

Die Bekanntschaft des Ich-Erzählers mit dem kleinen Prinzen in Saint-Exupérys gleichnamigem Kultbuch beginnt mit der Bitte „Zeichne mir ein Schaf!“ und sie löst eine erste Beziehungskrise aus. Der eine wünscht sich vom anderen eine Schafzeichnung, aber der andere kann – nach eigener Einschätzung – gar nicht zeichnen. Er kitzelt schließlich missmutig los. So entsteht Zeichnung auf Zeichnung. Ein krankes Schaf, ein Widder, ein altes Tier und und und. Aber nichts gefällt dem kleinen Prinzen so richtig. Entnervt strichelt der Ich-Erzähler schließlich eine Kiste mit drei seitlichen Luftlöchern. „Das Schaf, das du willst, steckt da drin.“ Der kleine Prinz ist entzückt. „Das ist ganz so, wie ich es mir gewünscht habe.“
Und was hat es mit dieser märchenhaften Begebenheit auf sich? Die Lehre zeigt sich im Verhalten des kleinen Prinzen. Es zeigt, wir sind unserem Begriff der Wirklichkeit dann besonders nahe, wenn unsere Vorstellungskraft provoziert und nicht durch Vor-Bilder eingeengt wird.