Nachziehtiere

Wenn ein Kind kein lebendiges Tier zum Spielgefährten haben kann, gibt es seit jeher eine Alternative: der tierische Begleiter aus Holz oder Terrakotta. Archäologische Funde belegen eindrucksvoll, dass bereits in der Antike – aus Ton oder Holz – kleine Tier-Objekte mit Rädern gefertigt wurden. Die Typologie der Tiere, die diesen Zoo bevölkerten, umfasst eine beachtliche Bandbreite.

Dort findet man Mäuse und Tiger, Hähne und Hennen, Löwen, Pferde, Wildschweine, Widder, Stachelschweine, Flusspferde und Krokodile. Ganz so, wie die Sitten und Gebräuche, die religiösen Glaubensrichtungen und die Herkunftsgebiete der Handwerker waren.

Nachziehtiere waren immer schon weit mehr als nur Spielzeug oder Gebrauchsgegenstände auf Zeit und zum Wegwerfen. In den antiken Kindergräbern findet man das Nachziehtier als individuelle Beigabe, Lieblingsobjekt oder als Talisman für den Aufenthalt im Jenseits.

In der anhaltenden, innigen kindlichen Beschäftigung mit seinem Tier entsteht eine ganz eigentümliche emotionale Bindung, die auch über das Kindesalter hinaus Bestand hat. Kaum zu beschreiben ist die Entdecker- und Wiedersehensfreude eines Erwachsenen, der nach Jahren und Jahrzehnten beim Aufräumen überrascht dem geliebten Spielzeug begegnet.