Die illusionistische Malerei, das Trompe–l‚œil [tʀɔ̃pˈlœj] (frz. „täusche das Auge“, von tromper „täuschen“ und l’œil „das Auge“), wird dem Wunsch, durch die Malerei eine Art „zweite Natur“ oder „Bild-Wirklichkeit“ zu erschaffen, vorzüglich gerecht.
Tatsächlich ist es im Verlauf der Kunstgeschichte nicht wenigen Künstlern auf äußerst eindrucksvolle Weise gelungen, Natur bzw. Wirklichkeit so täuschend echt abzubilden, dass der Betrachter den Eindruck bekommt, er befinde sich in einem „echten“ Realitätsbezug.
Bereits der römische Geschichtsschreiber Plinius (ca. 23–79 n. Chr.) berichtet von einem Wettstreit im 4. oder 5.Jahrhundert vor Christus zwischen zwei griechischen Künstlern, Parrhaisios und Zeuxis, bei dem es darum ging, den Meister der täuschend echten bildnerischen Darstellung zu ermitteln.
Und noch heute gibt es vermutlich eine „schweigende Mehrheit“, die das Trompe–l‚œil nicht nur staunend bewundert sondern als die einzige Art von „wirklicher“, „richtiger“ Kunst akzeptiert und wertschätzt.
Vergleichbares gilt auch für die plastische, skulpturale Kunst. Den Idealfall der illusionistischen Bildhauerei – wenn auch unter ganz speziellen Umständen – beschreibt Joachim Ringelnatz in seinem Gedicht „Im Park“.
Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
Still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei,
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum –
Gegen den Wind an den Baum,
Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.