Der Adventskranz – eine wissenschaftlich wenig befragte Selbstverständlichkeit

Dem Tübinger Professor Hermann Bausinger ist es zu verdanken, dass der Adventskranz und seine Geschichte wissenschaftlich erforscht sind. Der Kulturwissenschaftler hat in seinem Aufsatz „Der Adventskranz“ die „wenig befragte Selbstverständlichkeit“ dieses Forschungs-Gegenstands zum Anlass der eigenen Untersuchungen gemacht. Mit erstaunlichen Erkenntnissen.

Bausinger widerspricht vielen herkömmlichen Meinungen und Vorurteilen über den Adventskranz-Brauch:

„_Der Brauch ist nicht uralt, sondern er ist in historischer Zeit – und zwar in verhältnismäßig naher Vergangenheit – entstanden.

_Er ging nicht von dem immer wieder als brauchfreudig charakterisierten katholischen Bevölkerungsteil aus, sondern von den ebenso oft als brauchfeindlich apostrophierten Protestanten. Er beschränkt sich aber nicht auf die Angehörigen einer Konfession.

_Übergangsstellen, also besonders aufnahmebereite Gebiete, sind nicht etwa die bäuerlichen Landschaften, für die man oft ‚Volksbrauch‘ reservieren wollte, sondern industrielle Regionen.

_Dem entspricht es, dass der Brauch nicht etwa aus einer Grundschicht des Volkes emporkommt, sondern dass er von den höheren sozialen Schichten eingeführt und durch ihr Vorbild verbreitet wird.“

Hermann Bausinger (1980): Der Adventskranz  – Ein methodisches Beispiel

Quelle: https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/47613