Eine Wolke aus diffusen Sorgen

Die (oft beschriebenen) Ängste des Kreativen.

Bin ich gut genug?

Ich habe starke Hemmungen, meiner Arbeit, „meinen“ Produkten zu begegnen. Macht mich jemand auf die Ausstellung eines meiner Produkte in einem Schaufenster in meiner Nähe aufmerksam, vermeide ich – wenn möglich – den Blickkontakt, nehme ich die Seitenstraße.

Dazu muss man wissen, dass die von mir entwickelten Produkte in aller Regel von Hand gefertigt und bemalt werden und Naturmaterialien zentrale Komponenten bilden. Die Optik kann also naturgemäß variieren und weicht deshalb nicht selten von der Vorgabe des von mir gestalteten Prototyps ab. Alle Abweichungen von meinem Vor- oder Ideal-bild, alle Fehler stechen mir sofort ins Auge, tun weh.

Ist meine Arbeit noch gefragt?

Ich verbringe immer wieder sehr viel Zeit damit, mich auf dem Markt umzuschauen und vor allem nach potenziell konkurrierenden Produkten zu suchen. Aktuell dominieren Holz, Fell und andere Naturmaterialien. Gut so. Aber morgen? Nach dem Gesetz der Mode wird es dann schnell wieder schwierig, meine „klassischen“ Produkte auf dem Merkt zu halten.

Wie stehen meine Sachen dann im abweichenden modischen Ambiente noch da?

Bin ich kreativ genug, um meine Produkte an die dann aktuelle Mode anzupassen?

Heute kann das Unternehmen gut von meiner Produktpalette leben. Wie sieht es damit in fünf, in zehn Jahren aus?

Habe ich morgen noch eine brauchbare, Erfolg versprechende Idee?

Wenn mir mal ein Produkt gelingt und auf dem Markt erfolgreich ist, müsste mich das beruhigen, zuversichtlich machen. Dieses Gefühl kenne ich tatsächlich. Es ist allerdings nur von kurzer Dauer. Im Hintergrund droht immer schon die nächste Messe, die immer gleiche Frage „Was gibt es Neues?“ Immer wieder wurde ich angenehm überrascht von der Produkt-Treue, von der wohlwollend kritischen Unterstützung durch Partnerunternehmen. Egal ob Selbstzweifel oder Selbstüberschätzung, „Neuheit“, Fortschritt muss sein.

Also: „Zurück an den Schreibtisch, faule Sau!“

Sein Beruf sei manchmal eine Qual und provoziere schlechte Laune, sagt der Künstler und Illustrator Christoph Niemann in einem Beitrag für das ZEIT-Magazin, Nr.44 / 2016. In Form einer künstlerisch-produktiven Selbstbetrachtung betreibt er Ursachenforschung und entdeckt dabei eine „Wolke“ aus problembasierten „diffusen Ängsten“.

Quelle: http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/44/kunst-illustrator-kreativitaet-christoph-niemann

P.S. In Bezug auf die Fragestellungen habe ich in den Antworten Niemanns einige Übereinstimmungen gefunden und – soweit möglich – auch schamlos übernommen.