Zaunlatten

Die systematisch vervielfältigte Zaunlatte, der Lattenzaun, gehört gegenwärtig zu den beliebtesten Aktionsflächen in deutschen Kindergärten und Grundschulen. Jedes Kind bekommt sein Stück Latte, einen Pinsel, Farbe und schon darf’s losgehen. Vorrangiges Ziel, das „banale“ Holz irgendwie „kindgemäß“ gestalten. Das Ergebnis jedes Gruppenversuchs ist in der Regel eine breite Front kunterbunter Bemühungen, die Latte formal und inhaltlich vergessen zu machen und „etwas ganz Anderes“ darzustellen. Fabelwesen, Märchenfigur, Kind – oft auch als „Selbstbild“, Zootier. Jedes Kind hat das Recht auf eine, auf seine Zaunlatte. Die demokratisch organisierte Gruppenarbeit „unser Zaun“ erzeugt prinzipielle Vielfalt und hat gemeinhin etwas ästhetisch Abschreckendes. Wie könnte dies auch anders sein, wenn unterschiedliche Fähigkeiten, Fantasien, Farbvorstellungen aufeinandertreffen und als Zaun eine Einheit vortäuschen.

Spaß beiseite. Die Aufgabe „Zaunlatte“ bzw. „Lattenzaun“ hat auch für mich ihren Reiz.

Gegeben: das kostengünstige Grundprodukt, die begrenzte Gestaltungsfläche.

Gesucht: die scheinbare Überwindung der begrenzten Fläche, die Einheitlichkeit in der Vielfalt.