TOLL!Haus

„Ich glaube nicht, dass die moderne Kunst die reine Gaukelei ist. Ich weiß es.“ (Ephraim Kishon)

Quelle: art 5 / 1988.

Kishon verweist auf ein attraktives künstlerisches Prinzip, das sich meines Erachtens in vielerlei Hinsicht zur permanenten Gestaltung eines Waren-, Kauf- bzw. Verkauf-Hauses anbietet. Die zur Gaukelei passende Bezeichnung für einen top-aktuellen „Kauf-Tempel“ ist (war) für mich das TOLL!Haus.

Die Namen einiger Paten – ‚mal abgesehen, ob Künstler oder Gaukler: Armand („Accumulation“ ), Claes Oldenburg („Store“), Konrad Klapheck („Müde Helden“), Christo und Jeanne-Claude (Objekt-Verpackungen, Verhüllungen), Andy Warhol („Boxes“).

P.S. Die Rezension „Ich kaufe, also bin ich“ aus DIE ZEIT erschien Jahre später. Das Buch von Panajotis Kondylis habe ich gekauft, aber nicht verstanden.

P.S.P.S. Das Negativ-Beispiel hat Julian Schnabel Anfang 1990 mit seiner Gestaltung der Boutique des in Paris lebenden Designers Azzedine Alaia geliefert. Die Alaia-Boutique auf der Mercer Street, unweit des West Broadway, wirkt(e) wie eine theatralische Inszenierung – drapiert mit der neuesten Bekleidungsmode. Zur Förderung des sakralen, überhöhenden Effekts stehen – wie Mahnmale – übergroße Skulpturen im Raum; daneben sind Reproduktionen von etruskischen Vasen aufeinander gestapelt. Dieses Pathos ist schön, die Boutique ist schön, alles ist schön und alles wird deshalb sehr schnell schön langweilig. Diese Inszenierung zeigt, dass absichtsvolle Tiefe als Leere erfahren wird.