DIE ZEIT, Nr.37, Doctor Nr.3, September 2019, Illustrationen: Alessandro Gottardo.
„Eine Gebrauchsanweisung für einen besseren Schlaf …“
Gottardo malt den Schlaf als Reise auf dem Rücken des Schafs innerhalb einer Formation kleinerer Schafe mit identischer Statur und Optik. Löblich!
Aber! Auf Seite 13 des Themenhefts wird u.a. eine Einschlaf-Technik aus den Vereinigten Staaten (!) beschrieben, die zum Abschluss folgende Bilder-Reise empfiehlt:
„1) Sie liegen in einem Kanu auf einem ruhigen See, über Ihnen ist der blaue Himmel.“ (Warum in einem Kanu? Hätte doch auch heißen können „auf dem Rücken eines Schafs!“)
„2) Sie liegen in einer Hängematte aus schwarzem Samt in einem pechschwarzen Raum.“ (? Dazu fällt mir schafmäßig gar nichts ein.)
„3) Sagen Sie 10 Sekunden zu sich selbst: ‚Denke nicht, denke nicht, denke nicht.‘ “ (Hätte doch auch heißen können: „Schaf 1 – Schaf 2 – Schaf 3 …“)
Ich habe alle Texte in Doctor Nr.3 aufmerksam durchgelesen und musste feststellen, dass die erholsame Reise auf dem Rücken des Schafs zwar bildlich dargestellt wird, aber nirgendwo und von niemandem wird das Schaf und seine Bedeutung für den Schlaf überhaupt erwähnt.
Die Autoren und deren Beirat ignorieren also sträflicherweise die gute Tradition des Schäfchen-Zählens. („Schaf 1 – Schaf 2 – Schaf 3 …“) Dabei kennt doch jedes Kind die Gleichung Schlaf = Schaf.
Fazit: In einer wissenschaftlich fundierten „Gebrauchsanweisung für ein Erfolg versprechendes Einschlafen“ sollte / muss das Schaf – zumindest in unserem Kulturkreis – eine zentrale Position einnehmen.
