Sie ist eine der seltsamsten Figuren der (bäuerlichen) Kulturgeschichte: die Vogelscheuche. In freier Wildbahn kommt dieses schöne Beispiel zweckmäßiger Volkskunst praktisch nicht mehr vor.
Aufgestellt wurde die Vogelscheuche aus Angst vor Ernteverlust. Schrecken sollte sie – vor allem in der Vogelwelt – verbreiten.
Schrecken = Aufmerksamkeit = optische Attraktion. In meiner Vorstellung war (und ist) die Vogelscheuche die Schaufenster-Puppe mit der größten Anziehungskraft. Die mystische Fremde in der Stadtlandschaft. Z.B. Scheuche umhüllt und umgeben von Models in hochwertiger Kleidung, Die Vogelscheuche in einer Landschaft von Designer-Möbeln oder – ganz allgemein – von Luxusartikeln.
Eine Kundin schickte eine dieser von mir gemachten Scheuchen, die sie auf der Messe noch bewundert hatte, umgehend zurück. Eine Freundin hatte „beim Auspacken in der Boutique“ sich über die von ihr wahrgenommene Obszönität des Objekts empört.
Da hat wohl jemand die geplante Provokation und die damit verbundenen Chancen nicht richtig verstanden.
