Einhorn.
Fabeltierschützer schlagen Alarm. Das europäische Einhorn sei definitiv vom absoluten Vergessen-Werden bedroht. Stimmt nicht. In der deutschen Werbung gilt das Einhorn seit jeher als Wunderwaffe, mit deren Hilfe sich von Kindermöbeln über Bücher bis Schulranzen alles verkaufen lässt. Auch quadratisch-praktische Schokotafel-Editionen.
Um das Potenzial des Fabelwesens noch besser zu vermarkten, hat man sogar einen „Internationalen Tag des Einhorns“ erfunden, der alljährlich am 1.November gefeiert wird. Erstmals 2015. Noch ist der Bekanntheitsgrad dieses Gedenk-Geschenktags vom Muttertags-Erfolg weit entfernt.
Vielleicht liegt dies mit daran, dass die Einhorn-Fangemeinde kein gemeinsames Bild von seinem Liebling hat. Ein kurzer Blick auf die aktuelle Google-Bildergalerie zeigt das ganze Ausmaß der Misere. Das Einhorn ist zum grafischen Mißbrauchsfall geworden. Jeder entwirft etwas und behauptet, dies sei ein „Einhorn“. Hauptsache klein, rund, pummelig, quietschbunt. Dabei ist sich die historische Forschung in der Erkenntnis einig, dass das Fabeltier ein enger Verwandter des Pferdes ist. Wer diese Tatsache aus Kommerzinteressen leugnet, der beschleunigt das Vergessen des wahren Einhorn-Wesens.
Schädlich für ’s Ansehen sind auf jeden Fall übers Jahr verteilte wilde Marketing-Aktionen, die z. B. Einhorn-Küchenrollen, -Taschentücher, oder -Klopapier zum Kauf anbieten. Ganz besonders kontraproduktiv wirkt die Ankündigung eines regionalen deutschen Metzgerei-Betriebs, der – passend zur Grillsaison – eine rosa-farbene „Einhornbratwurst“ anbietet. Diese kurzsichtige Geldmacherei legt doch eine Jagd nahe, bei der alle verbliebenen Fabelwesen irgendwann auf dem Grill enden.

