Gestaltwesen Schaf

Schafgruppe, in enger Anlehnung an das Gemälde „Zwei Schafe“ von Franz Marc, 1912, Öl auf Leinwand, 49,5 cm x 77 cm, Saarland Museum

Der Begriff „Gestaltwesen“ findet Verwendung in Bezug auf die radikale malerische Position von Franz Marc:

„Ich suche mich einzufühlen in das Zittern und Rinnen des Blutes der Natur, in den Bäumen, in den Tieren, in der Luft (…) Wie armselig, seelenlos ist unsere Konvention, Tiere in eine Landschaft zu versetzen, die unseren Augen zugehört, statt uns in die Seele des Tieres zu versenken, um dessen Bilderkreis zu erraten? (…) Wir werden nicht mehr den Wald oder das Pferd malen, wie sie uns gefallen oder scheinen, sondern wie sie wirklich sind, wie sich der Wald oder das Pferd selbst fühlen, ihr absolutes Wesen, das hinter dem Schein lebt, den wir nur sehen… Wir müssen von nun an lernen, die Tiere und Pflanzen auf uns zu beziehen und unsere Beziehung zu ihnen in der Kunst darstellen.“

Franz Marc in: Susanna Partsch, Marc (verlag taschen)

Franz Marc (1880-1916) ist vor allem durch seine Tierbilder bekannt: blaue Pferde, gelbe Tiger, bunte Schafe. Er konzentrierte sein Schaffen zunehmend auf die Darstellung von Tieren. Marc selbst erklärt die Wahl seiner Motive folgendermaßen: „Schon zu einem frühen Zeitpunkt empfand ich die Menschheit als ’hässlich’; Tieren schien mir eine größere Schönheit und Reinheit innezuwohnen …“

Diesem Verständnis des Schönen folgend gibt Marc dem Tierwesen eine malerische Gestalt; in diesem Sinne begegnet dem Betrachter in dem Gemälde „Schafgruppe“ das von Marc geschaffene „Gestaltwesen“ Schaf.