
Eine Sammlung von Dingen, die für mich „schön“ sind und mit denen ich zusammenlebe, ist zweifellos ein Wagnis. Ich zeige nicht nur, was mir gefällt, sondern ich stelle auch meinen ganz persönlichen Geschmack zur Diskussion. Kann man sich als „Art-Designer“ einen schlechten Geschmack leisten, ohne seiner Arbeit zu schaden? Bei diesem Risiko spreche ich aus eigener Erfahrung. Jedes schlechte Produkt stellt für mich die Qualität eines Künstlers oder Designers ganz grundsätzlich in Frage und relativiert den Ruf des Urhebers bzw. die Qualität all seiner anderen Arbeiten.
NUSSKNACKER. Manufactured in Germany by BRAINBOX. Design: Christian Marx. Ein Objekt, zweiteilig, vermutlich aus Buchenholz, Kugelhälften mit intelligenten Aussparungen, Messing-Achse, die eine gegenläufige Bewegung der Hälften ermöglicht. Der Zweck ist Produktname: „NUSSKNACKER“. (Der Werbe-Text verspricht eine „leichte Handhabung“.) Tatsächlich ein echtes „Fake“-Produkt. Ich habe es wiederholt erfolglos versucht, eine Nuss zu knacken. Ergebnis – hat nicht geknackt.
Der NUSSKNACKER von Christian Marx spielt für mich in derselben Klasse wie die von der Edelmarke Alessi produzierte „Juicy Salif“. Eine Zitronenpresse, die vom französischen Design-Star Philippe Starck 1988 entworfen wurde. Ein grotesk geformtes, überteuertes Objekt, das nicht einmal richtig Saft pressen kann. Warum sollte man sich so etwas für viel Geld kaufen? Um es ins Regal zu stellen? Fürs Image? Weil der Besitz chic und angesagt ist?
(Mein Pseudo-Nussknacker war ein Geschenk und ist eine exklusiv-„schöne“ Mahnung.)